Orchideen der Schwäbischen Alb

Wer an Orchideen denkt, hat meist opulente tropische Pflanzen vor Augen. Orchideen oder Orchideengewächse (Orchidaceae) sind eine weltweit verbreitete Pflanzenfamilie. Fast 60 Orchideenarten wachsen in Deutschland. Einige sind jedoch schon selten geworden. Viele Arten sind auf dem Rückzug, weil ihre Lebensräume eingeschränkt werden und sich die Umweltbedingungen verändern. Am zahlreichsten ist die Gattung Knabenkraut vertreten. 

Unsere heimischen Arten sind wahre Schönheiten – und sie haben mindestens genauso viele Tricks wie ihre tropische Verwandtschaft auf Lager. Orchideen produzieren zahlreiche winzige Samen, die im Gegensatz zu den Samen der meisten anderen Pflanzen kein Nährgewebe besitzen und zur Keimung auf einen Wurzelpilz angewiesen sind. Diese Symbiose von Pilz und Orchidee nennt man Mykorrhiza. Die meisten Orchideen gehören zu diesen Saprophyten, also Pflanzen, die ihre Nährstoffe nicht oder nur unzureichend aus der Photosynthese beziehen.

 

Hier stell ich euch die heimischen Orchideen vor, die ich auf und an der Schwäbischen Alb gefunden habe. Mittlerweile sind es 25 Stück zuzüglich 5 Hybriden. Schaut sie euch an. Solltet ihr noch Standorte kennen, an denen Orchideen wachsen, die hier nicht aufgeführt sind, dann würde ich mich freuen, wenn ihr mir den Standort mitteilt.

Achtung!! Alle unsere heimischen Orchideen stehen unter Artenschutz!!! Sie dürfen weder gepflückt noch ausgegraben oder beschädigt werden. Wer das dennoch tut und erwischt wird, muss mit einem saftigen Bußgeld rechnen!!!

Anacamptis morio  |  Kleines Knabenkraut

Das Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio - früher Orchis morio) ist das am frühesten im Jahr blühende Knabenkraut. Es ist das kleinste heimische Knabenkraut. Der Bestand ist in ganz Deutschland stark gefährdet, oder teilweise vom Aussterben bedroht. Das Kleine Knabenkraut gedeiht am besten auf stickstoffarmen, schwach sauren oder leicht basischen Wiesenboden, der nicht dauernd trocken sein sollte. Es kommt auf Magerrasen, mitunter auch auf Trockenrasen, mäßig feuchten Wiesen, trockeneren Bereichen von Feuchtwiese und lichten Wäldern vor. Es tritt zuweilen in größeren, mäßig dichten, individuenreichen Beständen auf. Die Häufigkeit nimmt dabei von Süd nach Nord stetig ab. Das Kleine Knabenkraut war Orchidee des Jahres 1991.

Anacamptis pyramidalis  |  Pyramiden-Hundswurz

Die Pyramiden-Hundswurz zählt zu den "ältesten" bekannten europäischen Orchideen. Sie ist eine sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 40 Zentimetern erreicht. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Als Standort bevorzugt diese kalkliebende Pflanzenart trockene bis wechselfrische Magerrasen und lichte Wälder. Anacamptis pyramidalis ist in Deutschland eine der sehr seltenen Arten und wird auf der Roten Liste als stark gefährdet aufgeführt (RL 2).

Sie war in Deutschland Orchidee des Jahres 1990.

Cephalanthera damasonium  |  Weißes Waldvögelein

Das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) ist die Typusart der Pflanzengattung Waldvöglein (Cephalanthera). Es ist in warmen, meist kalkigen (Buchen)Wäldern erfreulicherweise von etwa Mitte Mai bis Mitte Juni noch vergleichsweise häufig anzutreffen. Beim Weißen Waldvöglein ist Selbstbestäubung die Regel. Trotz der noch stellenweise individuenreichen Vorkommen steht das Weiße Waldvöglein unter strengem Schutz. Auf der Roten Liste in Deutschland besitzt es den Statuts "Ungefährdet"
Das Weiße Waldvögelein war in Deutschland Orchidee des Jahres 2017.

Cephalanthera rubra  |  Rotes Waldvögelein

Das Rote Waldvöglein (Cephalanthera rubra), auch Purpur-Waldvöglein ist seltener anzutreffen als das Weiße Waldvögelein. Es bevorzugt lichte, trockene Laubwälder (besonders Buchenwälder), Kiefern- und Fichtenwälder sowie Waldränder. Anders als beim Weißen Waldvögelein, dessen Blüten meist mehr oder weniger geschlossen bleiben, öffnet das Rote Waldvögelein seine Blüten vollständig. Die Art Cephalanthera rubra wurde im Jahr 1817 von dem französischen Botaniker Professor Louis Claude Marie Richard aufgestellt. Der Name setzt sich aus dem griechischen κεφαλή cephalae = Kopf, ανθηρός antheros = blühend und dem lateinischen ruber = rot zusammen und weist darauf hin, dass die Anthere der Columna wie ein Kopf aufsitzt. Der deutsche Name Rotes  Waldvögelein nimmt Bezug auf Form und Farbe der Blütengestalt. Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch das Rote Waldvöglein unter strengem Schutz. Auf der Roten Liste in Deutschland hat es den Status "Gefährdet" - 3.

Es war Blume des Jahres 1982.

Cypripedium calceolus  |  Frauenschuh

Der Frauenschuh hat die größten Einzelblüten unserer heimischen Orchideen. Der Name leitet sich ab von "Kypris: "Zyperngeborene", ein anderer Name für die griechische Göttin Aphrodite und "calceolus" - was "Kleiner Schuh oder Stiefelchen" bedeutet. Die Pflanzen können mehrere Jahrzente alt werden. Von der Keimung bis zur blühenden Pflanze können bis zu 15 Jahre vergehen. Es handelt sich bei dieser Art um eine sogenannte Kesselfallenblume. Das heißt,  Insekten, besonders Sandbienen der Gattung Andrena und weitere kleine und kräftige Insektenarten, dringen durch das Loch an der Labellumbasis in den Kessel ein oder fallen in den Kessel, dessen glatte und glänzende Wände (mit Ölüberzug) einen Ausstieg verhindert. Der einzige Weg aus der Falle führt über zwei Haartreppen in der hinteren Pantoffelwand, unter dem Geschlechtsapparat (Gynostemium) hindurch, nach draußen. Der Gelbe Frauenschuh gilt in seinem Bestand als gefährdet (RL 3). Er war Orchidee des Jahres 1996 und 2010

Dactylorhiza fuchsii  |  Fuchs' Knabenkraut

Das Fuchs’ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) ist nach dem Tübinger Medizinprofessor Leonhard Fuchs, Verfasser zahlreicher medizinischer Werke und Autor der berühmten Kräuterbücher, benannt. Es kommt in Nadelmischwäldern, frischen Wiesen sowie Flach- und Quellmoore vor. 

Dactylorhiza majalis  |  Breitblättriges Knabenkraut

Das Breitblättrige Knabenkraut ist eine auf ungedüngten Feuchtwiesen noch gelegentlich häufig anzutreffende Orchideenart. Es wächst hauptsächlich auf stickstoffarmen feuchten bis nassen Wiesen, die aus verschiedenen Pflanzengesellschaften bestehen. Seltener ist es in Niedermooren zu finden. Die Pflanze liebt unbeschattete, sonnige Standorte. Es ist In Deutschland noch mit mehreren Lücken weit verbreitet, es sind jedoch viele Standorte bereits erloschen, besonders von West- bis Norddeutschland. Es wird auf der Roten Liste als "gefährdet" geführt. Das Breitblättrige Knabenkraut war Orchidee des Jahres 1989.

Epipactis atrorubens  |  Braunrote Stendelwurz

Die Braunrote Stendelwurz erreicht Wuchshöhen von 20 bis 80 Zentimetern. Sie blüht von Juni bis August. Sie verströmt insbesondere bei warmen Wetter einen intensiven Vanilledurft. In Mitteleuropa ist die Braunrote Stendelwurz – wie alle Orchideen – seit Jahrzehnten im Rückgang begriffen, gehört jedoch nicht zu den stark bedrohten Orchideenarten. Wie alle einheimischen Orchideenarten steht die Braunrote Stendelwurz unter Naturschutz. 

Epipactis palustris  |  Sumpf-Stendelwurz

Die Sumpf-Stendelwurz braucht kalk- oder basenreichen, stickstoffarmen, sickerfeuchten oder zumindest zeitweise staunassen, feinkörnigen und humusreichen Boden. Die Bestäubung der Sumpf-Stendelwurz erfolgt durch Bienen, Fliegen und Grabwespen; gelegentlich kann es auch zur Selbstbestäubung kommen. Sie blüht zwischen Juni und August.

Gymnadenia conopsea  |  Mücken-Händelwurz

Die Mücken-Händelwurz trifft man meist auf trockenen oder etwas feuchten Wiesen und sonnigen Hängen an. Sie blüht von Mai bis Juli. Der Nektar ist nur Schmetterlingen zugänglich. Die Mücken-Händelwurz gilt als "gefährdet" und wurde in Deutschland auf die Rote Liste aufgenommen.

Gymnadenia odoratissima  |  Wohlriechende Händelwurz

Die Wohlriechende Händelwurz blüht von Juni bis August. Sie ist gekennzeichnet durch intensiv vanilleartig duftende Blüten. Die Wohlriechende Händelwurz ist mit 10-30 Zentimeter Wuchshöhe insgesamt zierlicher, die Blütenfarbe variabler von weiß bis dunkelrot, mehrheitlich jedoch deutlich heller als bei ihrer großen Schwester - der Mücken-Händelwurz.

Himantoglussum hircinum  |  Bocks-Riemenzunge

Die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), auch Bocksorchis genannt, ist eine auffällige, stattliche Pflanzenart aus der Gattung der Riemenzungen. Aufgrund des Klimawandels erfährt die aus dem Mittelmeer-Raum stammende Bocks-Riemenzunge eine Ausbreitung ihres Areals und breitet sich langsam, aber stetig nach Norden aus. Diese wärmebedürftige und sonnenhungrige Orchidee kann Wuchshöhen bis zu 100 cm erreichen. Die großen Pflanzen können bis zu 100 Blüten haben. In Deutschland ist sie wie alle anderen Orchideen geschützt. Rote Liste: RL3

Listera ovata  |  Großes Zweiblatt

Das Große Zweiblatt (Listera ovata - früher Neottia ovata) gehört zu den noch häufiger und in fast ganz Deutschland anzutreffenden heimischen Orchideenarten und erreicht Wuchshöhen bis 50 cm. Diese unscheinbare Orchidee blüht von Mai bis Juli. Man findet es in frischen Laubwälder, Wiesen und Magerrasen. Das Große Zweiblatt war Orchidee des Jahres 1992.

Neotinea ustulata  |  Brand-Knabenkraut

Das Brand-Knabenkraut ist kalkliebend und besiedelt vor allem wärmeexponierte Wiesen der Mittel- und Hochgebirge. Es wächst auf Trocken- und Halbtrockenrasen, Streuwiesen, Magerwiesen  Der Artname leitet sich von lateinisch ustulatus = angebrannt, Brand- ab. Entsprechend lautet der deutsche Name Brand-Knabenkraut. Es kommt in 2 Varianten vor, nämlich Neotinea ustulata var. ustulata

(zeichnet sich durch eher niedrigen und gedrungenen Wuchs sowie gedrängte, an der Spitze rundliche Ähren aus. Die Varietät blüht hauptsächlich im Mai oder Juni) und Neotinea ustulata var. aestivalis (zeigt dagegen eher hohen und gestreckten Wuchs sowie lockerblütige, zugespitzte Ähren. Sie blüht später als die Nominatform - im Juli oder August.)

Als Bestäuber für Neotinea ustulata var. ustulata wird die Raupenfliege (Echinomyia magnicornis) genannt; für Neotinea ustulata var. aestivalis der Bockkäfer (Leptura livida) und verschiedene Hummel-Arten. Der Fruchtansatz ist meist relativ hoch. Das Brand-Knabenkraut gilt in Deutschland als stark gefährdet und war Orchidee des Jahres 2005.

Neottia nidus-avis  |  Vogel-Nestwurz

Die Vogel-Nestwurz ist eine chlorophyllfreie (also ohne Blattgrün) Orchidee und zeitlebens von ihrem Mykorrhizapilz abhängig. So kann sie aber auch in den schattigsten Wäldern wachsen. Die Blütezeit ist Mai bis Juli. Die Pflanze lebt mykoheterotroph (die Pflanze ernährt sich von Pilzen), und betreibt keine Photosynthese. In Kalkbuchenwälder, sowie auch in anderen Laubmischwäldern ist sie meist recht häufig zu sehen - wenn man sie denn findet. In Deutschland wird sie vom Süden zum Norden hin seltener. Insgesamt ist ihr Vorkommen in Deutschland nicht gefährdet. 

Ophrys apifera  |  Bienen-Ragwurz

Die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) ist eine spätblühende Art aus der Gattung der Ragwurzen (Ophrys). Sie ist sehr wärmebedürftig und hat von daher ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Wärmegebieten Deutschlands. Sie kommt vor in basenreichen Trockenrasen und Magerrasen. Sie bevorzugt nicht allzu trockene Standorte. Durch die späte Blütezeit werden Standorte oft vor der Blüte oder der Samenreife gemäht. Sie war Orchidee des Jahres 1995.

Ophrys araneola  |  Kleine Spinnen-Ragwurz

Die Kleine Spinnen-Ragwurz ist in Deutschland nur an ganz wenigen, klimatisch sehr begünstigten Orten zu finden. Der Samen dieser Orchidee enthält keinerlei Nährgewebe für den Keimling. Die Keimung erfolgt daher nur bei Infektion durch einen Wurzelpilz (Mykorrhiza). Blütenökologisch handelt es sich bei der Kleinen Spinnen-Ragwurz, wie bei den anderen Ragwurzen auch,  um Sexualtäuscheblumen, die durch ihren Duft, ihr Aussehen, die Größe und Beschaffenheit der Lippe Insektenweibchen imitieren und die früher schlüpfenden Insektenmännchen dazu veranlassen, auf den Blütenlippen Kopulationsversuche zu machen.

Ophrys holoserica  |  Hummel-Ragwurz

Die Hummel-Ragwurz hat die gleichen Ansprüche an ihre Standorte wie die sehr ähnliche Bienen-Ragwurz. Sie bevorzugt Magerwiesen, Halbtrockenrasen und buschige Hänge sowie lichte Kiefernwälder. Aufgrund ihrer relativen Seltenheit ist die Art in Deutschland gefährdet. Größere Vorkommen existieren in Baden-Württemberg (Oberrhein, Schwäbische Alb) und in Rheinland-Pfalz / Saarland (Eifel/Mosel). Insgesamt konnte in den letzten Jahren in Süddeutschland aber eine deutliche Ausbreitung der Art beobachtet werden; sie galt zum Beispiel in Nordbayern und Hessen als ausgestorben, wurde aber neuerdings wiedergefunden. Übrigens lohnt es sich, bei der Hummel-Ragwurz genauer hinzusehen: Jedes Exemplar unterscheidet sich in der Form der Lippe, der Farbe der übrigen Blütenblätter und der Malzeichnung von seinem Nachbarn.

Ophrys insectifera  |  Fliegen-Ragwurz

Die Fliegen-Ragwurz ist die verbreitetste und häufigste der insgesamt seltenen fünf in Deutschland vorkommenden Ragwurz-Arten. Blütenökologisch handelt es sich bei dieser Art um eine typische Insektentäuschblume, oder auch Sexualtäuschblume. Die Bestäubung durch Insekten ist insgesamt spärlich und erfolgt meist durch Selbstbestäubung. Die Fliegen-Ragwurz ist in Mitteleuropa selten, sie kommt aber an ihren Standorten zuweilen in kleinen, lockeren und nicht allzu individuenreichen Beständen vor.

Sie war Orchidee des Jahres 2003.

Ophrys sphegodes  |  Große Spinnen-Ragwurz

Die Große Spinnen-Ragwurz oder auch nur Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) ist häufiger als die Kleine Spinnen-Ragwurz. Sie blüht auch etwas später als die Kleine Spinne. Man findet diese Art in lichten Wäldern und Magerrasen mit frischen bis mäßig trockenen, aber stets basenreichen Böden.

Orchis mascula  |  Stattliches Knabenkraut

Das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula), auch Stattliches Knabenkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Knabenkräuter (Orchis).  Es ist in seinen Standortansprüchen sehr flexibel und von daher in fast allen Teilen Deutschlands zu finden. Das Männliche Knabenkraut besiedelt sehr unterschiedliche Standorte: lichte Wälder, Magerrasen, Bergwiesen, seltener in Feuchtwiesen. Es gedeiht auf kalkhaltigen bis kalkfreien Böden. Die Blütezeit reicht von Ende April bis Anfang Juni. Die Blüten sind fast duftlos und es wird kein Nektar produziert. Es handelt sich blütenökologisch um eine Täuschblume. Die wichtigsten Bestäuber sind Hummeln. Es ist aber auch spontane Selbstbestäubung möglich. Durch die Fähigkeit, verschiedene Standorte zu besiedeln, ist das Männliche Knabenkraut noch nicht allzu selten. Das Stattliche Knabenkraut war Orchidee des Jahres 2009.

Orchis militaris  |  Helm-Knabenkraut

Das Helm-Knabenkraut ist in seinem Verbreitungsgebiet im Mai bis in den Juni hinein allgegenwärtig. Bestäuber sind vor allem Hummeln, auch spontane Selbstbestäubung ist möglich. Es bevorzugt sonnige bis leicht beschattete Standorte auf Halbtrocken- und Trockenrasen, Magerwiesen auf trockenen bis mäßig frischen Böden. Sehr selten ist es auch an feuchteren Standorten zu finden in Begleitung der feuchtigkeitsliebenden Knabenkräuter aus der Gattung Dactylorhiza. In Deutschland ist das Helm-Knabenkraut am stärksten in der Südhälfte bis ins südliche Niedersachsen verbreitet, selten ist es in Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Weiter nördlich gibt es nur noch wenige Nachweise. Etwas isoliert liegt ein weiteres Verbreitungsgebiet in Brandenburg. Als kalkliebende Art kommt es zum Beispiel im Bayerischen Wald und im zentralen Schwarzwald nicht vor. Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch das Helm Knabenkraut unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze. In Deutschland hat es auf der Roten Liste den Status "Gefährdet"; RL3

Es war Orchidee des Jahres 1993.

Orchis pallens  |  Blasses Knabenkraut

Das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) oder auch Bleiches Knabenkraut ist eine der wenigen gelbblühenden Arten der Gattung Knabenkräuter (Orchis). Da im Sporn der Blüten des Blassen Knabenkrauts kein Nektar angeboten wird handelt es sich blütenökologisch um eine Nektartäuschblume. Als Bestäuber gelten verschiedene Hummeln. In Deutschland ist der Verbreitungsschwerpunkt in Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern. Das Blasse Knabenkraut gedeiht am besten auf kalkreichen, lockeren, etwas durchsickerten und meist steinigen Lehmböden mit guter Mullauflage. Es wächst auf basenreichem, humosen und lockeren Lehm- und Tonböden. Durch seine Seltenheit ist das Blasse Knabenkraut generell gefährdet und steht auf der Roten Liste. Wildschweine und Dachse stellen besonders gern den Knollen des Blassen Knabenkrautes nach und plündern komplette Bestände. 

Platanthera bifolia  |  Zweiblättrige Waldhyazinthe

Die Zweiblättrige Waldhyazinthe oder auch Weiße Waldhyazinthe ist in Deutschland am stärksten auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb, den Alpen, Alpenvorland und rund um das Thüringer Becken verbreitet. Die Art bevorzugt also vorwiegend Mittelgebirgs- bis Gebirgslagen. Die Zweiblättrige Waldhyazinthe gedeiht am besten auf basenreichen Lehm- oder Tonböden mit guter Humusbeimischung. Sie bevorzugt Laubmischwälder, sie geht aber auch in Heiden, auf Bergwiesen, in ungenutzte Sumpfwiesen, in Flachmoore sowie in trockene Gebüsche. Der Samen dieser Orchidee enthält keinerlei Nährgewebe für den Keimling. Die Keimung erfolgt daher nur bei Infektion durch einen Wurzelpilz (Mykorrhiza). Sie steht auf der Roten Liste als "Gefährdet" und war Orchidee des Jahres 2011.

Planthera chlorantha  |  Grünliche Waldhyazinthe

Die Grünliche Waldhyazinthe blüht etwas früher wie die Weiße Waldhyanzinthe. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis August. Auch sie steht auf der Roten Liste als "Gefährdet". Die grünliche Waldhyazinthe ist kräftiger und größer als die Weiße Waldhyanzinthe.


Hybriden

Dactylorhiza x aschersoniana (Dactylorhiza majalis x incarnata)  Breitblättriges / Fleischfarbenes Knabenkraut

Orchis x haussknechtii (Orchis mascula x pallens)                        Stattliches / Blasses Knabenkraut

Orchis x beyrichii (Orchis militaris x simia)                                        Beyrichs Knabenkraut

Ophyrs x devenensis (Ophrys holoserica x insectifera)                  Hummel / Fliegen-Ragwurz

Ophrys holoserica x sphegodes                                                          Hummel / Große Spinnen-Ragwurz

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Kommentare: 1
  • #1

    Gerhard (Donnerstag, 29 März 2018 12:32)

    Die Hummelragwurzen variieren ziemlich stark in der Form und in der Zeichnung. Da ist es schwierig festzustellen ob ein Bastard dabei ist. Aber eine Kreuzung mit der Spinne oder einer anderen Ragwurz ist schon zu finden. Aber so ein Experte bin ich nicht, um das genau zu orten.